Chronik

125_Jahre_StTVKurzfassung der historischen Entwicklung des Stadt-Turnvereins Singen 1883 e.V. [1]:

 1876:

Der Ortsschulrat beschäftigt sich mit der Einführung des Turnunterrichts in Singen. Hierfür muss in der Gemeinde ein Turnplatz hergerichtet werden.

 1877 – 1878:

Es erfolgt die Herstellung der ersten Turngeräte für den neuen Turnplatz und die Einführung von zwei Wochenstunden Turnunterricht für die Oberklassen der Volksschule.

 1880:

Der neue Turnplatz wir zum Treffpunkt junger Männer, die sich mit Turnübungen ihre Zeit vertreiben. Wegen Lärmbelästigung wird, auf Drängen der Anwohner, die weitere Nutzung jedoch verboten und der Gruppe ein neuer Platz zugewiesen.

 1883:

35 junge turn- und sportbegeisterte Männer gründen den „Turnverein Gut-Heil Singen“ und treten dem Höhgau-Turnerverband (heute: Hegau-Bodensee-Turngau e.V.) bei.

 1899:

Die Verleihung der Stadtrechte an die Stadt Singen durch Großherzog Friedrich von Baden hat die Umbenennung des Vereins in den noch heute verwendeten Namen „Stadt-Turnverein Singen 1883 e.V.“ zur Folge.

 1908:

Im Schlossgarten finden die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Stiftungsfest des Stadt-Turnvereins Singen 1883 e.V. statt.

 1914:

Erstmals in der Vereinsgeschichte werden Frauen aufgenommen und die „ Turnerinnenabteilung“ mit 21 aktiven Turnerinnen gegründet. Leider wird diese Abteilung mit Ausbruch des 1. Weltkriegs direkt wieder aufgelöst und erst im Jahr 1921 erneut gegründet.

1914 – 1918:

Bereits zu Beginn des ersten Weltkriegs befinden sich über 150 Mitglieder des Stadt-Turnvereins Singen 1883 e.V. an der Front und der Turnbetrieb für die Schüler kann nur aufrecht erhalten werden, da der Turnwart Jakob Lehmann als Schweizer Staatsbürger nicht zum kaiserlichen Heer eingezogen werden kann.

 1919:

Schon in diesem frühen Stadium der Vereinsgeschichte greift die Vereinsleitung die neuen Impulse im Rahmen des Wiederaufbaus auf, orientiert sich an den Bedürfnissen der Gesellschaft und gründet eine Fußballabteilung unter dem Namen „Spiel- und Sportabteilung des Stadt-Turnvereins“.

 1924:

Die Fußballabteilung muss auf behördliche Anordnung aufgelöst werden, da zu dieser Zeit eine strikte Trennung von Turnen und Sport zu erfolgen hat. Da jedoch das Schwimmen längst für viele Turner ein fester Bestandteil ihres Trainingsprogramms ist, wird im gleichen Jahr die Schwimmabteilung gegründet.

 1924 – 1926:

Die erste vereinseigene Waldeckturnhalle wird gebaut und damit steht der Gründung einer Handballabteilung im Jahr der Fertigstellung nichts mehr im Wege.

 1927:

Nachdem die Turnerinnenabteilung seit mehreren Jahren ein fester Bestandteil des Vereins ist, wird nun auch das „Mädchenturnen“ in das Vereinsprogramm aufgenommen.

 1928:

Regelmäßige Aus- und Weiterbildungen gehörten bereits in dieser Zeit zum Programm der Übungsleiter und wirkten sich positiv auf den Übungsbetrieb aus. So erfolgt beispielsweise, nach der Rückkehr der Übungsleiter von einem Lehrgang in Berlin, die Umwandlung des bisherigen Volksturnens in eine reguläre Leichtathletikabteilung. Das Volksturnen war im Kaiserreich eine beliebte Mischung aus leichtathletischen und turnerischen Disziplinen.

 1931:

Mit der Gründung einer Skiabteilung nimmt der Stadt-Turnverein Singen 1883 e.V. ab sofort aktiv am Wintersport teil.

 1933:

Im November finden in der Waldeckturnhalle die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen des Stadt-Turnvereins Singen 1883 e.V. statt.

1933 – 1934:

Nach dem Willen der neuen nationalsozialistischen Führung des Reiches, werden alle marxistisch und sozialdemokratisch geprägten Vereine aufgelöst und enteignet, um damit die Gegner des Nationalsozialismus aus den jeweiligen Vorstandschaften und gleichzeitig deren demokratische Wahlstrukturen zu entfernen. Mit dieser sogenannten „Gleichschaltungswelle“ erhofft sich die Singener Ortsgruppenleitung eine Zusammenfassung aller Sportarten in einem einzigen und dadurch besser kontrollierbaren Verein. Für den Stadt-Turnverein Singen 1883 e.V. bedeutet dies einen enormen Mitgliederzuwachs, da sich sowohl die katholische Sportvereinigung DJK als auch der, bis dato selbstständige, Kraftsportverein Germania Singen unter das Vereinsdach begibt. Mit der Eingliederung der katholischen Sportvereinigung, die kurz vorher durch die ortsansässige NSDAP in VFR (Verein für Rasensport) umbenannt wurde, ergibt sich nun fast automatisch die Neugründung einer Fußballabteilung. Sie besteht von Anfang an aus einer Altherren- und zwei Jugendmannschaften.

 1935:

Die Gründung einer neuen Fechtabteilung im Stadt-Turnverein Singen 1883 e.V. verschafft dem Fechtsport im gesamten Bodenseekreis neuen Auftrieb und Mitgliederzuwächse.

 1939 – 1945:

Während des zweiten Weltkriegs müssen erneut zahlreiche Mitglieder des Stadt-Turnvereins Singen 1883 e.V. als Soldaten an die Front. Viele geraten dort in Gefangenschaft oder verlieren ihr Leben.

Wie bereits während des ersten Weltkriegs, kann auch in dieser Zeit lediglich der Turn- und Spielbetrieb in den Schüler- und Jugendabteilungen weitergeführt werden.

 1940:

Im Oktober treiben Mitglieder der Gestapo und der SS alle noch verbliebenen Bürger jüdischen Glaubens aus den Hegau-Gemeinden zusammen und fahren sie auf offenen LKWs zur Singener Waldeckhalle. Von dort aus bringt man sie am Abend weiter zum Bahnhof, wo bereits der Zug zur Deportation ins französische Gurs, ein Internierungslager am Fuße der Pyrenäen, auf sie wartet.

 1945:

Mit der Etablierung des Volkssturms in den Räumlichkeiten der Waldeckhalle kommt schließlich auch das Schülerturnen zum Erliegen. Dieser kann sich jedoch nicht lange halten, denn mit dem Einmarsch der französischen Truppen erfolgt auch die Besetzung der Halle. In der folgenden Zeit werden Vereinsakten vernichtet, da sie für die Besatzungstruppen als Brennmaterial herhalten müssen. Weiterhin werden alle Einrichtungsgegenstände und Turngeräte von den Soldaten als Kriegsbeute abtransportiert.

1946:

Aufgrund des ideologischen Missbrauchs des Sports unter den Nationalsozialisten, wird dessen Ausübung in Vereinen von den alliierten Siegermächten, unmittelbar nach der bedingungslosen Kapitulation, verboten. Dies hat die Auflösung aller Turn- und Sportvereine in Deutschland zur Folge. Die Direktive Nr. 23 des Alliierten Kontrollrats vom 17. Dezember 1945 legt von da an fest, welche Sportarten und in welchem Umfang zukünftig ausgeübt werden dürfen. Im Juli des Jahres erfolgt daraufhin der Zusammenschluss aller noch zugelassenen Sportarten zum „Allsportverein“ unter dem Namen „Sportgemeinde Eintracht Singen-Hohentwiel“.

1949 – 1950:

Die französische Besatzungsmacht gibt die Waldeckturnhalle wieder frei und erlaubt die Neugründung der ehemaligen Turn- und Sportvereine. Dies führt zu einer Abspaltung sowohl der Fußballer als auch der Boxer vom Allsportverein, der daraufhin wieder den alten Namen „Stadt-Turnverein Singen 1883 e.V.“ annimmt. Weiterhin wird das alliierte Fechtverbot aufgehoben und ebnet den Weg für die Wiedergründung der Fechtabteilung. Bevor jedoch die stark beschädigte Waldeckhalle erneut für den Sportbetrieb genutzt werden kann, muss sie zunächst durch erhebliches ehrenamtliches Engagement der Vereinsmitglieder instand gesetzt werden.

 1958:

Der Stadt-Turnverein Singen 1883 e.V. begeht die Feierlichkeiten zu seinem 75-jährigen Bestehen mit ca. 1.250 Mitgliedern.

 1957 – 1960:

Für die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten an der Waldeckturnhalle wird ein jährlicher „Turnhallennotgroschen“ von der Vereinsleitung für alle Mitglieder erhoben. Dieser ermöglicht die Erweiterung und die Sanierung der sanitären Einrichtungen im Keller, sowie den Ausbau der „Jahnstube“. Damit verfügt der Stadt-Turnverein Singen 1883 e.V. bereits 15 Jahre nach Kriegsende wieder über eine moderne Turn- und Veranstaltungshalle.

1965:

Die Zahl der Mitglieder im Stadt-Turnverein Singen 1883 e.V. steigt auf 1.785 an und erfordert die Einrichtung einer vereinseigenen Geschäftsstelle in der Jahnstube zur Abwicklung der notwendigen Verwaltungsaufgaben.

 1968:

Das Mutter-und Kind-Turnen wird in das Angebot der Turn- und Gymnastikabteilung aufgenommen.

 1972:

Aus der Schwimmabteilung geht die Gruppe der Kunstspringer hervor, die innerhalb kurzer Zeit zu den besten Springern Deutschlands gehören.

 1973:

Die neue Satzung des Stadt-Turnvereins Singen 1883 e.V. wird in das städtische Vereinsregister eingetragen.

 1974:

Die Turn- und Gymnastikabteilung erweitert ihr Angebot um das Vorschulturnen.

 1979:

Die Skiabteilung des Vereins verzeichnet eine enorme Abwanderungswelle seiner Mitglieder zum Ski-Club Singen und löst sich als Folge dessen auf.

 1983:

In der Waldeckturnhalle finden die Eröffnungsfeierlichkeiten zum 100-jährigen Vereinsjubiläum statt und gibt zu diesem Anlass eine Festschrift und ein Info-Heft heraus, welches zunächst nur über die Arbeit innerhalb der Turn- und Gymnastikabteilung berichtet. Im Laufe der Zeit wird darin auch über Aktivitäten der anderen Abteilungen informiert und bleibt als mehrmals jährlich erscheinendes INFO-Heft erhalten. Inzwischen zählt der Verein 2.500 Mitglieder.

 1985:

Die Handballer des Stadt-Turnvereins Singen 1883 e.V. bilden mit den Handballern des TV Gottmadingen eine Spielgemeinschaft mit dem Namen HSG Singen-Gottmadingen.

 1989:

Mit Einführung neuer Haltungs- und Rückenschulkurse innerhalb der Turn- und Gymnastikabteilung hält der Gesundheitssport Einzug im Stadt-Turnverein Singen 1883 e.V., die sich von da an „Abteilung Turnen/Gymnastik/Gesundheitssport“ nennt. In den folgenden Jahren etabliert sich durch den Gesundheitssport eine dauerhafte Zusammenarbeit mit den Krankenkassen.

1991:

Auf stetiges Mitgliederwachstum ausgerichtet und den modernen Trends folgend, hält der Tennissport mit Gründung einer eigenen Abteilung im Stadt-Turnverein Singen 1883 e.V. Einzug.

 1993-1995:

Diese Zeit ist geprägt durch die Planung einer neuen Turnhalle (1993), den Abriss der alten Waldeckturnhalle (1994) sowie den Neubau und die Fertigstellung der neuen Waldeckhalle (1995). Sie wird am 3. Dezember 1995 mit einem „Tag der offenen Tür“ feierlich eingeweiht.

 1999:

Gründung der Kindersportschule (KiSS) mit dem Ziel, die gesunde körperliche Entwicklung der Kinder, auf Basis einer ganzheitlichen Grundausbildung, in verschiedenen Sportarten zu fördern.

 2000:

Die Spielgemeinschaft der Handballer, HSG Singen-Gottmadingen, löst sich auf, da Gespräche über eine notwendige Fusion mit dem DJK Singen ergebnislos bleiben.

2001 – 2004:

Die Abteilung Turnen/Gymnastik/Gesundheitssport geht mit der Zeit und erweitert ihr Kursangebot um die Angebote „Tae Bo“, „Tai Chi“ und „Qi Gong“. Aus einem Fitness-Kurs heraus entwickelt sich mit der Gruppe „Dance-Dance-Dance“ die Grundlage für die zukünftige Tanzsportabteilung des Vereins. Und auch im Gesundheitssport halten die von den Krankenkassen anerkannten Trend-Sportarten wie „Nordic Walking“ und „Yoga“ Einzug. Die Kindersportschule KiSS öffnet sich mit der neu eingerichteten Mini-KiSS Gruppe nun auch den kleineren Kindern ab 5 Jahren und erhält im Jahr 2003 das Prädikat „Anerkannte Kindersportschule“ des Landessportverbands Baden-Württemberg.

 2005:

Die Faustballer der Versehrtensportgruppe Singen wechseln als eigene Abteilung unter das Dach des Stadt-Turnvereins Singen 1883 e.V..

 2006:

Inspiriert von den tänzerischen Aktivitäten der Dance-Dance-Dance Gruppe, gründet der Stadt-Turnverein Singen 1883 e.V. seine eigene Tanzsportabteilung für Standard- und Lateinamerikanischen Tanz und erweitert das Angebot auf diesem Gebiet durch die Rock ‘n Roll und Boogie Woogie Gruppe.

2008:

In 125. Jahr seines Bestehens zählt der Stadt-Turnverein Singen 1883 e.V. bereits 2.670 Mitglieder

 2014:

Die Kindersportschule KiSS erhält erneut das Prädikat „Anerkannte Kindersportschule“ des Landessportverbands Baden-Württemberg und schreibt damit seine, seit 1999 bestehende, Erfolgsgeschichte auf diesem Gebiet fort.

 2015:

Als ältester und einer der größten Sportvereine in der Hegau-Bodensee Region gehören dem Stadt-Turnverein Singen 1883 e.V. aktuell über 2.750 Mitglieder in den Abteilungen Gymwelt, Kindersportschule KiSS, Leichtathletik, Wettkampfturnen, Schwimmen und Kunstspringen, Ringen, Fechten, Faustball und Tanzsport an.

 

Quelle und vollständig nachzulesen unter:

[1] Dietmar Weber (2008): 125 Jahre Stadt-Turnverein 1883 e.V. Singen, Breitensport am Hohentwiel in Geschichte und Gegenwart; MARKROPLAN Agentur & Verlag GbR; ISBN 978-3-933356-35-1